Arbeit mit der Transaktionsanalyse – Grundlagen der Strokes

Was ist ein Stroke?

Wie bereits im ersten Artikel Was ist eigentlich diese Transaktionsanalyse? erläutert, können wir jede Aktion (=Stimulus) und Reaktion zwischen mindestens zwei Lebewesen als Transaktion ansehen. Jeder Stimulus stellt gleichzeitig einen Austausch von Strokes dar.

Berne beschreibt einen Stroke als Einheit der Anerkennung („unit of recognition“). Es ist nicht möglich, das englische Wort Stroke eindeutig zu übersetzen, da es doppeldeutig ist. Zum einen ist es die Streicheleinheit und zum anderen der Schlag. Genau diese beiden Bedeutungen sind das Kernstück der Anerkennung oder Wahrnehmung, die uns Menschen zu Teil wird.

Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Anerkennung, diese kann körperlich oder seelisch erfolgen. Als körperliche Anerkennung kann zum Beispiel ein Klopfen auf die Schulter oder auch eine Umarmung gesehen werden. Die seelische Anerkennung kann entweder aus so einem genannten körperlichen Stroke erfolgen oder durch Gesten und Worte erfolgen. Jede Art von Stroke stellt sicher, dass unsere Existenz von anderen zur Kenntnis genommen wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Beleidigung oder Komplimente geht. In jedem dieser Fälle werde ich von meinem Gegenüber wahrgenommen und zu einem gewissen Grad anerkannt. Das Geben und auch Nehmen der Anerkennung ist der Stroke.

Übung zur Selbsterfahrung bevor Du weiterliest:

Nimm dir bitte Zeit und denke einmal über folgende Fragen nach:

  1. Was sagen die Menschen in deiner Umgebung häufig? Was sagen sie über dich?
  2. Wie sagen sie es?
  3. Wie wird dir Anerkennung entgegen gebracht? Wann fühlst du dich am wohlsten dabei?
  4. Welche Sätze benutzt du regelmäßig?
  5. Wie sprichst du mit anderen Menschen?

Welche Arten von Strokes gibt es?

Die Arten von Strokes (Bild: © Dagmar Kleemann)

Die Arten von Strokes (Bild: © Dagmar Kleemann)

Ein Beispiel: Ich gehe in einen Seminarraum, der bereits mit Menschen gefüllt ist. Ich begrüße die Teilnehmer mit den Worten „Guten Morgen“. Jetzt können verschiedene Reaktionen auf meinen Stimulus folgen.

Verbale oder nonverbale Strokes

Als nonverbaler Stroke wäre die Reaktion zu meinem „Guten Morgen“ zum Beispiel ein freudiges Lächeln und Nicken oder nur ein Nicken, vielleicht auch eine Trauermiene. Zu nonverbalen Strokes zählen auch Winken, Händeschütteln oder Umarmen.

Ein verbaler Stroke kann ein erwidertes „Guten Morgen“ sein oder die Äußerung „An dem ist doch nichts gut!“. Hierbei geht es immer um das gesprochene Wort.

Es ist ersichtlich, dass auch bei verbalen und nonverbalen Strokes eine weitere Unterscheidung vorhanden ist und zwar die der positiven und negativen Strokes.

Positive oder negative Strokes

Die Einteilung dieser beiden Arten ist völlig subjektiv. Ein positiver Stroke wird als angenehm und schön empfunden. Hingegen wirkt ein negativer Stroke schmerzlich und verletzend. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung dafür, was sich für ihn gut anfühlt und was nicht.

Genau diese Subjektivität macht es oft schwer, eine eindeutige Einordnung zu finden. Es kann davon ausgegangen werden, dass wir Menschen nun bestrebt sein würden, vor allem positive Strokes zu bekommen. Dies ist aber nicht immer der Fall.

Regulär sieht es leider anders aus. Um unser Grundbedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen, leben wir häufig nach dem Prinzip „ Jede Art von Stroke ist besser als überhaupt kein Stroke.“ (Stewart & Joines (2010): Die Transaktionsanalyse. Eine Einführung. Seite 118). Dies besagt, wenn ich es von früher nur gewohnt war, beleidigt zu werden (was eine Form der Anerkennung ist), kann es sein, dass ich heute nicht gut mit Komplimenten umgehen kann. Denk nur mal an Reaktion von Freunden, wenn du ein Kompliment machst. Anstatt einem „Danke“ kommt die Erwiderung: „Ach, das ist doch nichts!“ oder „Das ist doch nicht hübsch, das habe ich schon 10 Jahre!“.

Bedingte oder bedingungslose Strokes

Auch die positiven und negativen Strokes können noch weiter unterteilt werden. Dabei beziehen sich die bedingten Strokes auf das was ich mache. Ein bedingungsloser Stroke geht noch einen Schritt weiter und bezieht sich auf das was ich bin.

Positiv und bedingt: „Das hast du gut gemacht, danke.“

Positive und bedingungslos: „Ich freue mich, dass du da bist.“

Negativ und bedingt: „Ich finde es schlimm, wie unordentlich der Raum ist.“

Negativ und bedingungslos: „Ich verabscheue dich. Du kannst auch mal aufräumen.“

Übung zur Selbsterfahrung bevor du weiterliest:

Nun versuche bitte, die fünf Fragen von oben erneut zu beantworten. Wie und wo würdest du deine Art zu kommunizieren bei den Stroke-Arten einsortieren?

Die Art zu kommunizieren und mit anderen Menschen umzugehen, macht uns zu dem, der wir sind. Nimm dir die Zeit und schau dir deine Kommunikation gut an. Es ist nicht einfach, die Art der Kommunikation zu verändern, es ist jedoch möglich.

Die Strokes, die du nutzt und auch deine Lebensposition, die du innehast, bedingen sich gegenseitig. Auch hier gilt: Es ist deine Entscheidung etwas zu verändern, wenn du die Notwendigkeit dafür siehst.

Dagmar Kleemann

Autor: Dagmar Kleemann

Dagmar Kleemann arbeitet seit 2009 als Trainerin & Coach. Seit 2012 leitet sie ihre eigene Kommunikationsfirma KLEEMANN-TTC, in der sie sich auf Transaktionsanalyse spezialisiert hat. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Themen Teamkommunikation, Konfliktmanagement und Zeit- und Selbstmanagement. Hierbei kommen ihre Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen wie etwa Verwaltung, Existenzgründer, Schulen, klein- und mittelständische Unternehmen.

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